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Lia Leone Projekt

Frei & Frech

Als ich mein kleines Hobby für mich entdeckte, stellte ich das erste mal am eigenen Leib fest, wie wenig Verständnis in unserer, nach außen hin offenen Gesellschaft, für Sexualität herrscht. Viele Freunde, gerade Frauen wandten sich von mir ab, weil sie mit dem was ich tue nicht zurechtkamen. Ich fühlte mich reduziert auf etwas, dass natürlich ein Teil von mir ist, aber gleichzeitig nicht meine komplette Persönlichkeit ausmacht. Kurz darauf kam der nächste Schlag. Bei einem Fußballspiel zog ich nach einer ordentlichen Bierdusche meine klatschnasses Trikot aus.

Ich dachte mir nichts dabei, es war sehr warm und auch die Männer um mich herum waren oberkörperfrei. Plötzlich fuhr mich eine Frau an, die mit ihren Kindern neben mir stand, was das soll, wir seien nicht im Puff! Ich hatte wohlgemerkt einen ganz normalen BH an und auch nicht die Absicht jemanden zu provozieren. Da machte es Klick. Ich verspürte den Drang mich gegen diese Ungerechtigkeit aufzulehnen. Etwas mehr Gewebe unter den Nippeln und schon darf ich kein nasses T-Shirt mehr ausziehen ohne beleidigt zu werden? Was ist das für ein Schwachsinn?

Ein Gedanke nagte besonders lange an mir, warum machen Frauen sich gegenseitig fertig? Anstatt einander zu helfen und gemeinsam für Gleichberechtigung – nichts anderes ist das meiner Meinung nach – zu stehen, wurde ich aufs übelste beschimpft, weil ich es gewagt habe, es den Männern um mich gleich zu tun und mein Trikot auszuziehen. Das war der Zeitpunkt an dem ich bewusst provokanter wurde. Ich wollte dass die Leute reden, über Freiheit und das Anderssein. Sie sollten sich fragen: „darf die das?“ Ich denke ja, ich darf das. Ich fühle mich so wohl dabei und habe dadurch viel über mich gelernt. Ich darf sein wer ich will und wie ich will.

Ich bin eine Frau und dafür muss ich mich nicht schämen! Ich muss meinen Körper, in dem ich mich so wohl fühle, nicht verstecken. Mein Körper ist nicht anstößig, er beleidigt niemanden, er gehört zu mir, ich mag ihn und das ist gut so!

Meine Intention war es, Menschen Mut zu machen, sich nicht verstellen zu müssen, Brüste sind nichts peinliches. Als ich mit „Frei&Frech“ begonnen habe wollte ich ein Projekt aufbauen, dass mich und meine Ansichten widerspiegelt. Ich stehe für Offenheit, Toleranz und Gleichberechtigung, das will ich mit Bildern  vor Gebäuden und Orten mit Geschichte zum Ausdruck bringen. Ich bin zwar nur ein kleiner Punkt in dieser Gesellschaft, aber wenn ich nur einen Menschen durch meine Bilder zum Umdenken bewegen kann, dann hat es sich doch schon gelohnt. Gleichberechtigung fängt nicht in der Führungsebene großer Konzerne an, sie beginnt auf der Straße, in Stadien und öffentlichen Plätzen, sie beginnt, wenn sich Frauen die Haare abschneiden, nicht um zu provozieren, sondern einfach nur für sich.

Ich habe die Hoffnung, dass Menschen die meine Bilder sehen, vielleicht nicht direkt vorm Brandenburger Tor blank ziehen, aber sich das nächste Mal vielleicht doch trauen den nervigen BH, der eh überall drückt, unter T-Shirt mal weg zu lassen, sich wohl zu fühlen in ihrem Körper und vor allem, niemanden zu verurteilen, nur weil er sich frei macht!